Lockdown! − Abgesperrt

Irgendwann kam mir mal die Idee all das aufzuschreiben, was ich während des Corona-Lockdown 2020 erlebt habe, und meine Überlegungen dazu. Hier ist nun meine ganz persönliche Geschichte der Covid-19-Krise.
Zum neuesten Eintrag − 16.September 2020

Vorab
Dies ist eine Art Tagebuch aus meiner ganz persönlichen Sicht während des Corona-Lockdowns. Ich vermeide bestimmte Namen von Personen, ausser denjeigen, welche allgemein bekannt sind. Ausserdem werde ich keine Erklärungen zum Corona-Virus abgeben, da ich erstens kein Virologe oder Arzt bin und zweitens genügend Material im Internet zu finden ist.

Silvesterabend 2019
In den Abendnachrichten wird erwähnt, dass in Wuhan, China, eine neuartige Lungenkrankheit ausgebrochen sei. Es gebe bereits 27 Erkrankte. «Schon wieder», denke ich. Die Schweinegrippe und die Vogelgrippe sind mir noch in bester Erinnerung.
Ich gehe um 21:00 Uhr zu Bett. Mein Wecker wird morgen um 3:15 Uhr klingeln. Ich habe Frühschicht mit Startzeit um 4:30 Uhr. Ich freue mich auf das Jahr 2020. Ich werde im Januar 65 Jahre alt und damit pensioniert. Endlich!
Es soll also ein gutes Jahr werden: Ruhestand, Ferien in Schottland bereits gebucht, weitere Ferien am planen…

Mittwoch, 1. Januar 2020
Der Arbeitstag an Neujahr läuft wie üblich: früh aufstehen, früh essen, und Feierabend um 12. Als ich von der Arbeit zu Hause fahre, höre ich erneut über dieses – damals noch Vogelgrippe 2 genannte – Virus.
Ich setze mich daheim erst an den Computer und später vor den Fernsehapparat. Auch hier wird über den Ausbruch der Krankheit in China berichtet.

Samstag, 11. Januar 2020
Meine «Freundschaft+» Bekannte, nennen wir sie einfachheitshalber ‘Anita’, lädt mich als Geburtstagsgeschenk zum Essen ein. Wir speisen göttlich in einem Restaurant nahe ‘Anitas’ Wohnort.
Während der letzten Tage gab es immer wieder neue Meldungen aus China. Inzwischen sind offensichtlich hunderte Personen erkrankt und erstmals ist jemand an der Krankheit gestorben.

Sonntag, 12. Januar 2020
Heute werde ich 65. Schon seit ein paar Jahren warte ich auf diesen Tag, denn obschon ich meine Arbeit gerne mache – die Führung und die Kommunikation im Betrieb lässt sehr zu wünschen übrig.
Ausserdem kommt mir die Situation damals bei der Vogelgrippe in den Sinn. Obschon sich diese schnell ausgebreitet hatte, war es uns verboten Schutzmasken zu tragen oder sonst irgendwelche Vorkehrungen zu treffen, um uns nicht bei den Passagieren anzustecken.
Dies, obschon wir unmittelbaren Kontakt zu diesen hatten. Und jetzt ist das vermutlich wieder genauso.
Ich erhalte Mails, Telefonanrufe, diverse Gratulationen im Internet und tatsächlich (bereits am Freitag) eine echte Glückwunschkarte zum Geburtstag.

Donnerstag, 23. Januar 2020
Die chinesischen Behörden riegeln die Elf-Millionen-Metropole Wuhan ab. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) äussert sich «eher beunruhigt» über die Dynamik und Entwicklung des Corona Virus (eigentlich «SARS-CoV-2»), wie der Erreger mittlerweile genannt wird.
Ich finde, dass die Lage langsam ungemütlich wird und bin froh, dass ich am nächsten Dienstag meinen letzten Arbeitstag habe. Somit werde ich dann nicht mehr an vorderster Front dem Virus ausgesetzt sein.

Samstag, 25. Januar 2020
Die Krankheit erreicht definitiv Europa. In Frankreich werden drei Fälle nachgewiesen.

Dienstag, 28. Januar 2020
Heute ist mein letzter Arbeitstag. 48 Jahre lang habe ich gearbeitet und jetzt freue ich mich auf meinen «Unruhestand».
Vor zwei Wochen habe ich bei unserer Einsatzplanung meinen Wunsch geäussert, heute als Springer eingesetzt zu werden. So könnte ich relativ frei im Betrieb verschieben und mich von meinen Mitarbeitern verabschieden. Da gewisse Leute bei meinem Arbeitgeber aber wieder einmal nicht kommuniziert haben, werde ich an Orten eingesetzt, wo dies verunmöglicht wird. So wird man in dieser Firma geschätzt. Das nervt und schmerzt.
Zu Hause angekommen, setze ich mich hin, atme tief durch und versuche zu begreifen, dass ich ab sofort nie mehr arbeiten muss. Es fällt mir schwer. Eher kommt es mir vor, als ob mein Urlaub beginnt… das Gefühl ist jedenfalls so.

Donnerstag, 30. Januar 2020
Heute bereite ich mich auf mein neues Leben nach der Arbeit vor, indem ich am Morgen zur Fusspflege gehe und am Nachmittag meinen Termin bei der Dentalhygienikerin wahrnehme.
Dann mache ich einfach mal nichts, was bedeutet, dass ich mich mit einem feinen Dram Single Malt hinsetze und über dieses und jenes nachdenke. Später pflanze ich mich in meinen TV-Sessel und lasse mich berieseln.

Samstag, 1. Februar 2020
Am Morgen – ich erwache berufsbedingt immer noch fast regelmässig um 5 Uhr – bereite ich diverse Dinge vor, die ich morgen brauche. Nebenbei mache ich die Wäsche. Aufs Mittagessen fahre ich zu ‘Anita’ und bin um 20 Uhr wieder zurück zu Hause.

Sonntag, 2. Februar 2020
Für heute habe ich mein kleines Pensionierungsfest angesetzt. Das Datum ist insofern speziell, als es ein Palindrom ist. 02.02.2020 liest sich von vorne wie von hinten gleich. Ausserdem lassen sich sowohl die erste, als auch die zweite Hälfte umdrehen und ergeben wieder dasselbe Datum. Und schliesslich besteht das ganze Datum aus nur zwei verschiedenen Ziffern, was auch bei einem Palindrom nicht selbstverständlich ist.
Ich habe einige wenige Leute zu diesem Fest eingeladen. Am Morgen fahren wir erst zur Sternwarte in Schaffhausen, wo wir uns zuerst im Planetarium und später im Instrumentenraum weiterbilden.
Anschliessend gehen wir in Rudolfingen Mittagessen. Es ist später Nachmittag, als ich wieder zu Hause bin und die Gäste sich verabschieden.

Heute landet auf einer Luftfahrtwaffenbasis in Frankreich ein Flugzeug mit etwa 250 Passagieren, darunter fünf Schweizern, aus dem Corona Virusgebiet in China. Die Passagiere werden zwei Wochen unter Quarantäne gestellt.

Montag, 17. Februar 2020
Heute Abend verunglückt ein ehemaliger Klassenkamerad und Ehepartner einer Mitarbeiterin an meiner Arbeitsstelle, auf seinem Nachhauseweg tödlich. Als seine Frau mir dies per WhatsApp mitteilt, kann ich das erst gar nicht glauben. Er wäre März pensioniert worden. Wir hatten bereits Pläne für den Sommer. Irgendwie geht mir das sehr nahe.

Mittwoch 19. Februar 2020
Der Bundesrat verschiebt ein Gipfeltreffen in Montreux, da viele Teilnehmer durch Corona in ihren Staaten benötigt werden und die Teilnahme daher abgesagt haben.

Donnerstag, 20. Februar 2020
Ich fahre nach Singen, um mir dort einen neuen Fernsehstuhl und neue Esszimmerstühle zu bestellen.

Freitag, 21. Februar 2020
Ich stehe heute schon im 5 Uhr auf. Halt immer noch mein «Frühaufsteh-Rhythmus». Es ergreift mich wieder mal die Schreibwut. Da stosse ich im Internet auf den Spruch «Sex sells». Ok, mal sehen inwiefern das stimmt. Ich beginne mit einer erotischen Kurzgeschichte. Nach und nach kommen weitere Kapitel hinzu. Und noch eines, und noch eines… Während des Schreibens habe ich wieder einmal den Tunnelblick, der mich alles rundherum vergessen lässt. Erst als mein Magen knurrt und mir etwas übel ist merke ich, dass ich seit dem Morgenessen nichts mehr zu mir genommen habe. Als ich vom PC aufstehe sehe ich, dass es draussen immer noch dunkel ist. Ich wundere mich, dass es noch nicht angefangen hat zu dämmern.
Bald stellt sich jedoch heraus, dass es bereits 03:30 Uhr am nächsten Tag ist! Kein Wunder hat mein Magen rebelliert.

Montag, 24. Februar 2020
Der Bundesrat verkündet, dass in der Schweiz bisher 300 Verdachtsfälle auf das Coronavirus getestet wurden. Bei keinem sei dies bestätig worden. Somit ist die Schweiz noch frei von Corona.

Dienstag, 25. Februar 2020
Nur einen Tag später erreicht das Corona Virus dann aber die Schweiz: im Tessin wird ein erster bestätigter Fall bekannt. Später wird sich herausstellen, dass der Mann sich in Italien angesteckt hat.
Das Risiko des Corona Virus für die Schweizer Bevölkerung wird als «moderat» bezeichnet.
Aus China werden inzwischen rund 80'000 Erkrankungen gemeldet.

Um 17 Uhr informiert das BAG in einer ersten, Corona bedingten Medienkonferenz, dass der Erkrankte 70 Jahre alt und in einem Spital im Tessin isoliert ist. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut. Die Kontaktpersonen des Erkrankten seien informiert und in Quarantäne.
Der Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten», Daniel Koch, tritt hier erstmals auf. Er macht sich später mit seinen ruhigen, überlegten Aussagen auch zu unbequemen Fragen einen Namen als «Mister Corona».

Als ich zwecks Recherche die Medienkonferenz nochmals anschaue fällt mir auf, dass "das Schliessen von Schulen zur Zeit als unverhältnismässig erachtet" wird.

Donnerstag, 27. Februar 2020
Heute Vormittag findet die Beerdigung meines verunglückten Kollegen statt. Es hat früh morgens geschneit und die triste Stimmung des nassen, schmelzenden Weiss passt zur Situation. Ich treffe an der Abdankung zwei ehemalige Schulkollegen sowie weitere Bekannte.
Nach der Abdankungsfeier kondoliere ich der Witwe. Mich nimmt das sehr mit, da ich ja bis vor einem Monat noch mit ihr zusammengearbeitet hatte.

Die Zahl der angesteckten Personen in der Schweiz steigt auf 5. Nahe Kontakte der Erkrankten werden unter Quarantäne gestellt. In Norditalien steigen die Fälle stark an.

Das BAG lanciert die Informationskampagne «So schützen wir uns» für die Bevölkerung. Die Hygienemassnahmen lauten: Gründlich Hände waschen, ins Taschentuch oder die Armbeuge husten, bei Fieber und Husten zu Hause bleiben.

Ich frage mich, warum bei einer Pressekonferenz des Bundes kein Übersetzer fürs Fernsehen da ist. Einige Erklärungen werden lediglich in Französisch gegeben. In der Deutschschweiz verstehen das bei Weitem nicht alle. Genauso ist es natürlich auch umgekehrt. Das Fernsehen sollte doch für diesen Fall einen Simultanübersetzer für alle Landessprachen haben und diese entsprechend einsetzen.
Mir fällt auf, dass vor allem Bundesrat Berset lange französisch spricht (5:30’) und dann die deutschsprachige Erklärung in knapp 3 Minuten nachliefert. Das kann ja wohl nicht dasselbe beinhalten...

Freitag, 28. Februar 2020
Der Bundesrat stuft die aktuelle Situation gemäss Epidemiengesetz (EpG) Kapitel 6, als "besondere Lage" ein und verbietet damit Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen. Bei kleineren Veranstaltungen müssen die Veranstalter mit den zuständigen Behörden einen Risikoeinschätzung vornehmen. Dies gilt vorerst bis 15. März. Es wird empfohlen, den öffentlichen Verkehr wenn möglich zu meiden.
Der Schutz der Schweizer Bevölkerung sei für den Bundesrat oberste Priorität, betont Bundesrat Berset.
Die Schweiz zählt inzwischen 15 bestätigte Corona Virus infizierte.

Nachträglich betrachtet, beginnt heute die Corona-Krise in der Schweiz so richtig.

Sonntag, 1. März 2020
In den Medien gibt es fast nur noch ein einziges Thema: Corona Virus. Sei es im Fernsehen, im Radio oder in den Printmedien.
Ab heute ist mein Halbtagsabonnement für den öffentlichen Verkehr gültig.

Montag, 2. März 2020
Eine Website des BAG speziell für Belange des Corona-Virus aufgeschaltet. Ausserdem wechseln die Plakate des BAG, die an vielen Orten erscheinen, die Farbe von Gelb auf Rot. Dies bedeutet, dass zusätzlich zu den bisherigen drei Regeln, drei weitere eingeführt werden: Papiertaschentuch nach Gebrauch in geschlossenen Abfalleimern entsorgen, Händeschütteln vermeiden und nur nach telefonischer Anmeldung in Arztpraxen und Notfallstationen gehen.

Dienstag, 3. März 2020
Am Nachmittag besuche ich meine Englischstunde. Das grosse Thema ist natürlich das Corona Virus. Die Lehrerin fragt uns, ob wir deswegen Angst hätten, oder uns nicht besonders sorgen würden.
Ich sage, dass ich nicht Angst hätte, aber das ganze ernst nehmen werde. Ich habe auch ein Desinfektionsmittel dabei.
Ohne dies jedoch zu wissen, ist das bis auf weiteres meine letzte Englischstunde.

Mittwoch, 4. März 2020
Das BAG ergänzt einmal mehr seine Hygieneregeln und empfiehlt neu das „Social Distancing“. Das bedeutet, man soll mindestens 2 m Abstand zu anderen Leuten halten.
Daniel Koch erklärt, dass die Lage sehr ernst sei und dass es keinen Grund zur Annahme gibt, dass die Fallzahlen nicht weiter ansteigen werden.
Es würden bereits Überlegungen über die Zukunft gemacht, beispielsweise wer wann in die Quarantäne müsse und wer ins Spital darf und soll.

Weltweit sind inzwischen über 100'000 Fälle bekannt. 3'000 sind dem Virus erlegen. In Europa sind 3'000 Fälle bekannt mit 80 Toten, davon allein in Italien 2'500 Fälle und 79 Verstorbene.
Erstmals wird an dieser Pressekonferenz auch das Thema Kurzarbeit erwähnt. Das zeigt, dass der Bundesrat zukünftig mit vielen Kurzarbeitenden rechnet.
Wieso muss immer alles englisch sein? Meine Schwester beispielsweise weiss weder was «Lockdown», noch was «Social Distancing» heisst! So geht es sicher vielen, vornehmlich älteren, Personen.

Donnerstag, 5. März 2020
Eine 74-jährige Frau, die bereits an chronischen Krankheiten litt, stirbt in Lausanne. Somit ist sie die erste Covid-19 Tote in der Schweiz.

Freitag, 6. März 2020
Der Bundesrat hat heute beschlossen, dass Armee Angehörige im Assistenzdienst die Kantone im Kampf gegen das Corona Virus unterstützen sollen. Dies wird vorläufig auf drei Wochen limitiert. Dies geschieht aufgrund einer Anfrage um Hilfe aus dem Kanton Tessin. Dieser ist in der Schweiz besonders stark betroffen, da die Grenznähe zu Italien viele Personen aus dem inzwischen sehr stark verseuchten Nord Italien zwecks Arbeit in die Schweiz bringt.
Als Haupt-Risikogruppen werden heute erstmals alle Personen ab 65 Jahren und Vorerkrankungen wie Diabetes, Atemwegserkrankungen, hohem Blutdruck, usw. genannt. Diese seien besonders zu schützen.
Zur Hauptsorge entwickelt sich die Überlastung der Spitäler, vor allem der Intensivabteilungen.
Es wird empfohlen, dass Leute nur die Spitäler und Arztpraxen benutzen, die wirklich krank sind und Hilfe brauchen.

Weltweit sind weit über 100'000 Fälle bekannt und weit über 3‘000 Tote zu beklagen. In China steigen zum ersten Mal die Zahl der Fälle, sowie auch der Toten langsamer an als bisher.

In der Schweiz sind rund 200 Fälle, die diagnostiziert wurden und 1 Todesfall.

Langsam schält sich eine gewisse Regel heraus, wonach junge, gesunde Leute entweder kaum, oder sogar gar nichts bemerken, wenn sie angesteckt sind. Gleichzeitig leiden die Risikogruppen relativ stark unter dem Virus und hier gibt es in Zukunft auch die meisten Todesfälle.

Samstag, 7. März 2020
Heute Abend empfange ich meine ehemaligen Nachbarn zu unserem regelmässigen Treff. Wir vermeiden zwar die üblichen Begrüssungsküsschen, und ich habe extra in der Gästetoilette ein Desinfektionsmittel aufgestellt, aber wir sitzen zusammen am Tisch und essen bis spät in der Nacht.

Sonntag, 8. März 2020
Die Italienische Regierung erklärt Norditalien zur Sperrzone. Rund 16 Millionen Menschen in 15 Provinzen dürfen nur noch mit triftigen Gründen aus den Zonen rein, oder raus.

Montag, 9. März 2020
Heute hat meine Schwester Geburtstag und ich besuche sie. Selbstverständlich ist unter anderem das Gesprächsthema das Corona Virus.

Im Kanton Zürich sind bisher 40 Corona-Fälle bekannt, davon sind 2 hospitalisiert.

Ich erfahre von Hamsterkäufen von Toilettenpapier! Leute, man kriegt bei dieser Krankheit keinen Durchfall! Ausserdem finde ich, gibt es wichtigere Dinge im Leben, egal welche Zustände herrschen. Seid ihr eigentlich normal? Kaum!
Eines dieser Dinge ist Desinfektionsmittel. Auch hier werden sich Knappheiten bilden, aber nur, weil die Menschen eben Menschen sind und nicht rationale Maschinen. Die würden an dieser Stelle «intelligenter» handeln.

Dienstag, 10. März 2020
Ab heute wird ganz Italien zur Sperrzone erklärt.

Mittwoch, 11. März 2020
Ich habe einen Termin bei meiner Fusspflegerin. Auch hier selbstverständlich Thema Nummer eins: das Corona Virus.

Der Kanton Tessin verfügt eine Notlage für den ganzen Kanton. Die nicht obligatorischen Schulen, Kinos, Theater, Sportzentren und Nachtklubs bleiben geschlossen.
Schweizweit sine es 645 positiv getestete Fälle und 3 Tote.

Die WHO erklärt heute die weltweite Pandemie. Chinas Zahlen fallen weiterhin ab. Ebenso in Südkorea. Im Nahen Osten hingegen steigen sie rasant an.
Europa hat über 18'000 bestätigte Fälle und über 700 Todesfälle. Italien über 10'000 Fälle und 631 Tote.

An der Medienkonferenz werden die diversen Anfragen von Kulturschaffenden, Reiseveranstaltern und Touristenzentren erwähnt, die sich um ihre Finanzausfälle sorgen. Dies wird momentan überprüft.
An den Grenzen zu Italien (83 Übergänge) werden Kontrollen eingeführt. Damit dies besser gehandhabt werden kann, werden 9 kleine Übergänge geschlossen.
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) kümmert sich um die Rückführung von gestrandeten Schweizer Bürgern im Ausland. Es empfiehlt diesen, sich umgehend um ihre Heimreise zu kümmern.
Nochmals wird darauf hingewiesen, dass dringend versucht werden muss, die Spitäler zu überfordern.

Die roten Plakate des BAG sind inzwischen überall anzutreffen.
Heute ist erstmals ein Simultanübersetzer an der Medienkonferenz! Offensichtlich wird dies jedoch nicht mit den Behörden abgesprochen, denn die Referenten übersetzen ihre Aussagen teilweise auch noch. Das heisst, dass unter Umständen der Fernsehübersetzer die französisch gehaltenen Erläuterungen brav ins Deutsche übersetzt, und dann mit seiner Arbeit aufhört, wenn z.B. Herr Berset das Gesagte selber nochmals in Deutsch erzählt, was nicht nötig wäre. Effizienz sieht anders aus…
Erst später, ab dem 16. März, wird am Fernseher auch noch gebärdet.

Freitag, 13. März 2020
Heute benutze ich zum ersten Mal ein Halbtagsabonnement. Ich fahre mit dem Zug nach Aarau, wo ich mich mit einer Kollegin treffe. Im Zug versuche ich die 2 m Abstand, die das BAG empfiehlt einzuhalten. Das gelingt recht gut.
In Aarau wollen wir in ein Restaurant um zu Mittag zu essen. Wir versuchen es gleich beim Bahnhof, aber ein Schild weist darauf hin, dass nur das Hotel geöffnet ist. Das Restaurant war geschlossen. Gleich in der Nähe werden wir jedoch fündig. Wir essen zu Mittag und trinken ein Bier dazu.
Später nehmen wir den Zug und fahren gemeinsam zu einem Kollegen. Dort verbringen wir den ganzen Nachmittag. Wir vermeiden zwar ein Händeschütteln, ansonsten verläuft unser Besuch jedoch wie immer.
Gegen Abend fahren wir wieder mit dem Zug nach Aarau. Dort machen wir doch einen kleinen Rundgang durch die Stadt. Ich staune, wie sehr sich Aarau verändert hat, habe ich doch zu meiner Lehrzeit hier die Gewerbeschule besucht. Damals kannte ich mich ein wenig in Aarau aus. Aber klar, das ist inzwischen fast 50 Jahre her.

Die Zahl der bestätigten Corona Fälle in der Schweiz hat die Tausender-Schwelle überschritten.
Der Bundesrat bezeichnet die Situation als «ernst» und die beschlossenen Massnahmen als einschneidend.
Das Veranstaltungsverbot wird bis 30. April verlängert und ausgeweitet. Ab sofort werden wieder Grenzkontrollen an allen Grenzen aufgenommen.
Es werden alle Schulen geschlossen, Veranstaltung mit mehr als 100 Personen werden verboten und es sind nur noch maximal 50 anwesende in Bars Diskotheken und Restaurants bewilligt. Ausserdem spricht der Bundesrat die ersten Fr. 10 Milliarden für Soforthilfe an die Wirtschaft und schränkt ein Reissen aus Italien in die Schweiz ein.

Samstag, 14. März 2020
Die Neuigkeiten überschlagen sich. Ab sofort werden in der Schweiz sämtliche Skigebiete geschlossen. Die Wintersaison in den Bergen ist zu Ende.

Montag, 16. März 2020
Vor drei Tagen war ich noch mit dem Zug unterwegs, heute wäre das bereits nicht mehr möglich.
Der Bundesrat erklärt an seiner Medienkonferenz die Situation als «ausserordentliche Lage» nach Art.7 des (EpG) und ruft damit den Notstand für die ganze Schweiz ab Mitternacht, bis vorerst 19. April aus: Restaurants, Bars, Diskotheken, Geschäfte, Schwimmbäder, Kinos, Märkte und Freizeiteinrichtungen sowie Betriebe, in denen die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können, werden geschlossen.
Lebensmittelläden, Banken und Gesundheitseinrichtungen wie Apotheken und Drogerien dürfen öffnen. Die Grenzen zu allen Nachbarländern werden kontrolliert.
Die Obergrenze für den Assistenzdienst der Armee wird auf 8’000 Armeeangehörige erhöht. Diese ausserordentliche Lage gilt ab dem 17. März 0:00 Uhr bis vorerst 19. April.
Nochmals wird dringend auf den Schutz der Risikogruppen aufmerksam gemacht. Ausserdem wird versichert, dass die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten sichergestellt sei.

Daher fahre ich spontan zu ‘Anita’. Mehr aus Scherz sagen wir, dass wir uns nochmals treffen sollten, bevor dies verboten ist.

Dienstag, 17. März 2020
Heute um Mitternacht begann offiziell die Corona Pandemie in der Schweiz. Es wird dringend empfohlen, zu Hause zu bleiben. Wo dies nicht möglich ist, müssen 2 m Abstand zu anderen Menschen gehalten werden. Als Hygieneregel gilt nach wie vor: oft die Hände waschen für mindestens 30 Sekunden. Dazu sollte genügend Seife verwendet werden, da das Virus von einer Art Fettschicht umgeben ist, die mit der Seife entfernt wird. Damit ist das Virus nicht mehr überlebensfähig. Natürlich sind auch alle anderen, bisher geltenden Hygieneregeln anzuwenden.
Es wird seitens des BAG dringend empfohlen, dass Personen die besonders gefährdet sind unbedingt zu Hause bleiben sollten (Diese Risikogruppen wurden bereits am 6. März genannt). Nur äusserst dringliche Besorgungen sollen gemacht werden. Auch diese sind aber möglichst einem Nachbarn oder jemandem aus der Familie zu übertragen.

Selbstverständlich wurde das eigentlich heute stattfindende Englisch abgesagt. Dies hatte ich schon vor ein paar Tagen vermutet, da die Schulen ja ebenfalls geschlossen wurden.
Meine – jetzt arbeitslose – Fusspflegerin ist froh, dass sie für mich einkaufen darf. So hat sie was zu tun, meint sie. Mir ist das aber nicht ganz recht und ich bin froh, dass mich meine Tochter anfragt, ob sie für ich einkaufen solle, was ich gerne annehme.

Natürlich tauchen auch jetzt wieder Begriffe auf, die nicht zwangsläufig für jeden Schweizer verständlich sind. Ich denke an «Home-Office» oder «Home Scooling».

Mittwoch, 18. März 2020
Heute fange ich damit an, meine Musiksoftware zu studieren, die ich schon vor einem Jahr gekauft habe. Damals hatte ich bald gemerkt, dass diese zu Umfangreich ist, um sie einfach so nebenbei mal zu benutzen. Also hatte ich warten wollen, bis ich pensioniert bin. Es geht schon mit dem korrekten Anschliessen meines Synthesizers an den PC los…
Ich beginne ein Stück von Mike Oldfield in die DAW (Digital Audio Workstation) einzugeben. Es geht nur sehr langsam vor sich, da ich immer wieder irgendwo anstehe. Aber ich habe ja Zeit.

Donnerstag, 19. März 2020
Bahn und Bus in der Schweiz reduzieren ab heute schrittweise ihr Angebot. Da viele Erwerbstätige auf «Home-Office» umstellen und private Reisen unterlassen werden sollen, sind selbstverständlich auch die öffentlichen Verkehrsmittel nur noch schwach besetzt.
Heute wurden in der Schweiz erstmals innert 24 Stunden mehr als 1'000 Personen neu angesteckt.

Mit einem Flyer der Gemeinde wird mitgeteilt, dass die Kartonsammlung am Samstag, ebenfalls abgesagt ist.

Freitag, 20. März 2020
Ich habe die Noten meines Test-Musikstücks fertig erfasst. Einzelne Fehler sind auch schon ausgemerzt. Aber es klingt noch recht fad, obschon ich alle Spuren erfasst habe und die alle zusammen laufenlasse. Da braucht es noch eine Menge Arbeit zum Mixen. Ich habe ja Zeit.

Überall höre ich Leute jammern. Private, Laden- und Restaurant-Besitzer. Klar, es ist verdammt schwer, aber andererseits schon nötig.

Sonntag, 22. März 2020
Ich habe noch so einiges an meiner Musik geändert, verbessert. Jetzt klingt sie fast wie das Original. Ich gebe mich damit zufrieden und spüre den Wunsch, mal wieder was anderes zu tun.
Für heute allerdings stelle ich den PC ab. Ich höre Musik bis zum Abend.

Dienstag, 24. März 2020
Auf dem Flughafen Zürich Kloten landet die erste vom aussen Department gecharterte Maschine die im Ausland gestrandete Schweizer Touristen zurückholt. Das EDA spricht davon, dass die grösste Rückholaktion seit je im Gange ist.

Freitag, 27. März 2020
Eigentlich wäre ich heute nach Luzern gefahren. Jedoch ist das Whiskyschiff Luzern schon vor gut einer Woche abgesagt worden.

Dienstag, 31. März 2020
Gegen Mittag ruft mich ‘Anita’ an und erklärt mir, dass sie starken Husten habe (was ich auch am Telefon mitbekam) und leichtes Fieber. Weil sie auch das Gefühl habe, schwerfälliger zu atmen, werde sie nach Winterthur ins Spital gehen, um sich untersuchen zu lassen. Natürlich denken wir beide an das Corona Virus. Als ich ihr anbiete sie zu fahren, erklärt sie, dass ihre Nachbarin ihr das bereits angeboten habe.
Selbstverständlich mache ich mir Gedanken, ob ich mich bei ihr angesteckt haben könnte. Nachdem jedoch rund eineinhalb Wochen seit unserem Zusammentreffen vergangen sind und ich immer noch ohne Symptome bin, kann ich das praktisch ausschliessen.
Heute Nachmittag fällt nun auch die zweite Englischstunde ins Wasser.

Mittwoch, 1. April 2020
Üblicherweise ist das heutige Datum ein Grund, Leute zu veräppeln. In diesem Jahr verzichten angesichts der ernsten Lage jedoch die meisten Medien auf Aprilscherze.

Ich beginne heute ein Computerprogramm zu schreiben, mit dem man beliebige Doppelsterne eingeben und animiert darstellen kann. Doppelsterne sind Sterne, die um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen. Für uns stellt sich das meist so dar, dass ein Stern um einen anderen kreist. So ähnlich wie die Planeten um unsere Sonne kreisen, nur dass es halt dort beides Sterne sind.
Dazu brauche ich ein Buch, in welchem die entsprechenden Formeln vorhanden sind. Da ich schon oft Astronomie-Programme geschrieben habe, ist dieses Buch natürlich bei mir vorhanden.

Donnerstag, 2. April 2020
Eine langjährige Freundin feiert heute Geburtstag. Wie immer schreibe ich ihr ein Mail um zu gratulieren. Wenn ich ihr auch in den vergangenen Jahren immer gute Gesundheit gewünscht habe, so ist dies heute umso wichtiger.

Freitag, 3. April 2020
Fast täglich werden Medienkonferenzen aus dem Bundeshaus im Fernsehen übertragen. Heute erfährt man unter anderem, dass der Bundesrat die Wirtschaftshilfe auf 40 Milliarden Franken aufgestockt hat.

Ich knie mich voll (d.h. ganztags) in mein Doppelstern-Programm.

Dienstag, 7. April 2020
Gestern erhielt ich ein Mail vom Veranstalter meines Englischkurses. Darin wird erklärt, dass man versuche die Kurse so gut wie möglich weiterzuführen. Dies jedoch via Videokonferenz. Dazu werde ich in Kürze ein Mail einer Englischlehrerin erhalten.
Heute Morgen kam dieses Mail. Eine Art Versuchs Videokonferenz fand dann um 10:00 Uhr statt. Es ist ja verdankenswert, dass der Kursveranstalter einen solchen Aufwand betrieb, um die Kurse fortzusetzen. Da das ganze jedoch etwas kurzfristig war, waren schliesslich die Kursleiterin und ich die einzigen, die an der Videokonferenz teilnahmen. Somit fiel, zumindest bei unserem Kurs, der Versuch ins Wasser, die Stunden auf diese Weise durchzuführen.

Mittwoch, 8. April 2020
Der Bundesrat verlängert den Lockdown bis zum 26. April und mahnt, an Ostern trotz des vorausgesagten schönen Wetters zu Hause zu bleiben. Für die Zeit nach dem 26. April kündigt er langsam Lockerungen an.

Sonntag, 12. April 2020 (Ostersonntag)
Für das Wochenende wurde schon seit einigen Tagen bestes Frühlingswetter vorausgesagt. Dies ist jetzt auch eingetroffen. Es ist für die Jahreszeit zu warm und die Leute hält es nur bedingt zu Hause.
Einmal mehr versuche ich heute ‘Anita’ anzurufen. Vergeblich. Weder auf dem Handy noch auf dem Festnetz kann ich sie erreichen.

Mittwoch, 15. April 2020
Alle paar Wochen treffe ich mich mit drei anderen Männern zum Schachspielen. Heute wäre wieder so ein Termin gewesen. Selbstverständlich haben wir den schon früher abgesagt.

Donnerstag, 16. April 2020
An der heutigen Medienkonferenz des Bundesrates nennt dieser die Etappen für die Lockerungen der Einschränkungen. Erste Schritte werden per 27. April geplant. Die Öffnung der obligatorischen Schulen und aller Läden sollen am 11. Mai kommen und eine dritte Stufe – darunter höhere Schulen – am 8. Juni folgen.

Samstag, 18. April 2020
Ich finde es schon ein wenig komisch, dass plötzlich so viele Firmen jammern, dass sie Geld benötigen würden. Jahrelang wurden Umsatzrekorde und Reingewinne gemeldet. Da wurde richtig Geld gemacht. Wo haben die jetzt ihren Reingewinn? Jeder Unternehmer muss (oder sollte zumindest) sich im Klaren sein, dass er ein unternehmerisches Risiko hat.
Als ich nach dem 11. September 2001 keine Kundschaft mehr hatte – wer hat mir damals Geld gegeben? Niemand. Im Gegenteil: nicht mal das mir zustehende Arbeitslosengeld wurde mir ausbezahlt! Auch nach diversen Anläufen und Reklamationen.
Bei den Privatpersonen die im TV aussagen, dass sie die Miete nicht mehr bezahlen können, ist es doch ähnlich: sparen ist «Out». Es wird ausgegeben, was da ist. Party machen, einkaufen, Wochenenden in London oder New York verbringen ist «In».
Und jetzt haben sie nach einem Monat schon kein Geld mehr.

Mittwoch, 22. April 2020
SBB und Postauto künden die etappenweise Wiederaufnahme der gestrichenen Verbindung im Bahn- und Busverkehr an.

Donnerstag, 23. April 2020
Heute hätte eine Führung bei der Swissport stattfinden sollen. Diese wurde von einem Mitglied der Männergruppe organisiert. Selbstverständlich wurde auch diese Führung abgesagt.

Freitag, 24. April 2020
Die in Singen gekauften Möbel werden heute geliefert. Die beiden Männer tragen die Möbel zu mir ins Wohnzimmer und nehmen Sie aus den Kartons. Die gesamte Verpackung nehmen sie ungefragt mit. Das war wieder mal ein guter Service.
Der für heute angesetzte Termin bei meiner Fusspflegerin ist natürlich abgesagt.

Montag, 27. April 2020
Ab heute dürfen, frühere, Baumärkte und Gartencenter wieder öffnen und die Einschränkungen für Spitäler, nur dringende Operationen durchzuführen, werden aufgehoben.

Samstag, 2. Mai 2020
Heute Vormittag versuche ich erneut ‘Anita’ zu erreichen. Ich bin überrascht und erfreut, als auf der anderen Seite der Telefonhörer abgehoben wird. Meine Freude wird jedoch sofort wieder getrübt als ich realisiere, dass auf der anderen Seite nicht ‘Anita’, sondern eine andere Frau antwortet. Es ist ihre Schwester die mich fragt, wen ich suche. Ich erkläre ihr, dass ‘Anita’ eine gute Bekannte von mir ist. Daraufhin erklärt sie mir weinend, dass ‘Anita’ am 13. April – also am Ostermontag – im Spital in Winterthur dem Corona Virus erlegen sei. Sie selber sei jetzt mit einigen Kollegen am Räumen ihrer Wohnung.
Ich bedanke mich für die Auskunft und beende das Telefongespräch relativ abrupt. Ich muss erst mal durchschnaufen, mich wieder fangen.
Natürlich war ich ein Stück weit darauf vorbereitet, was da passiert war. Hatte ich doch während Wochen ‘Anita’ nicht mehr erreichen können. Trotzdem war für mich die Situation natürlich nicht einfach. Auch wenn wir nicht zusammenlebten, und uns nur sporadisch trafen (halt eben ‘Freundschaft+’), so war sie doch eine sehr gute Bekannte von mir.

Dienstag, 5. Mai 2020
Alle paar Monate treffen wir uns von der SIKO-Klasse (Sicherheitskontrolle vom Flughafen Zürich), oder was davon noch übriggeblieben ist, zum Essen. Dies hätte heute wieder stattfinden sollen, war aber selbstverständlich auch schon vor einiger Zeit abgesagt worden. Dies kommt mir entgegen, da mir momentan nicht so zum Plaudern ist.

Mittwoch, 6. Mai 2020
Mein Auto steht seit dem 12. März in der Garage. Habe ich früher etwa zweimal pro Monat tanken müssen, so habe ich dies letztmals am 5. März gemacht. Erstens brauche ich nicht mehr zur Arbeit zu fahren, und zweitens macht es keinen Spass irgendwohin zu fahren, wenn man da nichts tun kann.
Heute denke ich, sollte ich mein Fahrzeug mal wieder bewegen. Ich bin gespannt wie lange es dauert, bis es läuft. Ich steige ein drücke den Startknopf und es startet als ob es dies täglich getan hätte. Ich fahre etwa 1 Stunde durch die Gegend, damit die Systeme mal wieder richtig gebraucht werden.
Heute wird ein Grossteil der Notmassnahmen aufgehoben. Läden, obligatorische Schulen und auch Museen, Bibliotheken, Restaurants und Fitnesscenter dürfen unter Schutzauflagen schrittweise wieder öffnen. Sportvereine dürfen ihre Trainings wieder unter Sicherheitsauflagen aufnehmen. Grossveranstaltungen wie Festivals und Sportevents mit mehr als 1000 Personen Bilder Bundesrat nicht vor September wieder erlauben.
Der Bundesrat beschliesst, dass die Schweizer Airlines und flughafennahe Betriebe mit Fr. 1.9 Milliarden unterstützt werden.

Viele Leute finden es absurd, dass die Swiss Geld von uns Bürgern bekommen soll. Der Bundesrat hatte die Swiss bei der Gründung nach dem «Grounding» der Swissair mit 450 Millionen Franken unterstützt. Kurz darauf verkaufte sich die Swiss der Lufthansa für 310 Millionen Franken, obschon sie der Goldesel für die Lufthansa war. Und nun soll die Swiss wieder Millionen erhalten?

Mittwoch, 13. Mai
Der Bundesrat gibt bekannt, dass er die Unterstützung der Kulturbetriebe verlängert. Ebenfalls wird erwähnt, dass eine App zum «Contact-Tracing» getestet werden soll.

Mittwoch, 20. Mai
Ich bin weiterhin mit meinem Programm beschäftigt. Zwischendurch brauche ich jedoch Abwechslung. So sitze ich meist am Morgen am PC, wenn es noch kühler ist. Nachmittags lasse ich mich entweder mit den Kopfhörern auf dem Balkon nieder, oder höre im Wohnzimmer englische Hörbücher oder Musik. Auch das Fernsehprogramm ist besser als sonst…
Was ich noch gar nicht erwähnt habe: natürlich koche und wasche ich zwischendurch auch!

Die Unterstützung für die Kinderbetreuung wird bekannt gegeben.

Donnerstag, 21. Mai 2020 (Auffahrt)
Heute ist schönes Wetter. Viele Leute hier in meiner Nachbarschaft empfangen Verwandte und Bekannte zum Grillieren.
Ich bin immer noch an meinem Doppelstern-Programm. Ich programmiere am Laptop auf dem Balkon. Neben mir kühle Drinks.

Dienstag, 26. Mai 2020
Die «Tracing App» geht in die Testphase.

Nachdem viele Firmenbesitzer ständig gejammert habe, man solle endlich die Massnahmen lockern, jammern sie jetzt über die Hygienevorschriften.

Mittwoch, 27. Mai 2020
Ab heute gehe ich wieder selber einkaufen. Ich war froh, dies bisher nicht tun zu müssen, aber irgendwann muss ich ja wieder selbständig werden.
Der Bundesrat gibt weitere Lockerungen per 6. Juni bekannt. So sollen Gruppen bis 30 Personen erlaubt sein, Freizeit- und Touristikangebote (Schwimmbäder, Seilbahnen, usw.) wiedereröffnet werden dürfen, solange die Hygieneverordnungen des Bundesrates eingehalten werden können.
Ausserdem wird die «Ausserordentliche Lage» beendet. Es gilt neu die «Besondere Lage».

Sonntag, 31. Mai 2020 (Pfingsten)
Wie auch schon an Ostern, ist auch an Pfingsten schönes Wetter. Wenngleich weiterhin die Abstandsregel gilt, gibt es doch vermehrt Personen, die die Sonne ausnutzen.

Mein Doppelstern-Programm ist inzwischen so weit, dass ich Testdaten brauche. Bisher habe ich dies nur mit 2 verschiedenen Sternen testen können, deren Beispiele in meinem Formelbuch verwendet werden. Jetzt brauche ich aber mehr.
Mit dem Laptop auf meinem Balkon, recherchiere ich, ob ich irgendwelche Sternkataloge herunterladen könnte. Es ist nicht leicht. Zwar existieren sogar verschiedene Doppelsternkataloge, aber die sind nicht brauchbar, oder können nicht heruntergeladen werden.

Mittwoch, 3. Juni 2020
Für heute habe ich mit einem Kollegen in seinem Garten abgemacht. Eigentlich hatte ich vor mit dem Fahrrad dahin zu gehen. Da die für den Abend angesagten Gewitter aber scheinbar schon früher unterwegs sind, habe ich mich dann doch für das Auto entschieden. So wird auch dieses seit dem 11. Mai wieder bewegt.

Donnerstag, 4. Juni 2020
Ich besuche meine Schwester in Turbenthal, damit sie mir die Haare schneiden kann. Es ist höchste Zeit dafür, konnte ich doch in den vergangenen drei Monaten dies nur behelfsmässig tun.

Sonntag, 7. Juni 2020
Überall fanden Demonstrationen mit mehreren 1’000 Personen statt. Dies wegen des gewaltsamen Todes eines Schwarzen durch die Polizei in den USA.
Wenngleich solche Versammlungen verboten sind, schreitet die Polizei nicht ein. Was soll sie auch tun?

Wie schon oft taucht bei mir wieder mal die Frage auf, wieso es Gesetze gibt, deren Einhaltung nicht kontrolliert werden kann. Solche gibt es einige. Man denke dabei mal an Strassenverkehrsgesetz. Dort steht ganz klar, dass man vor Antritt der Fahrt mit dem Auto kontrollieren muss, ob Licht, Blinker und auch der Rest des Autos in tadellosem Zustand sind. Hat das jemals irgendwer getan?
Es gibt noch eine ganze Reihe solcher Beispiele.

Montag, 8. Juni 2020
Über eine Astronomieseite im Internet erfahre ich, dass jemand einen Doppelstern-Katalog herunterladen konnte und diesen auch auf Excel konvertiert hat. Das wäre ja ein Hammer für mich. Ich schreibe also diesem Benutzer und nur knapp zwei Stunden später stellt er mir dieses Werk zur Verfügung.
Nach dem Öffnen des Excel-Sheets staune ich über mein Glück: Hunderte von Doppelsternen mit allen benötigten Bahndaten und mehr sind da drin!
Jetzt habe ich genügend Testdaten!

Mittwoch, 10. Juni 2020
Langsam nähere ich auch mich wieder der Normalität. Heute endlich konnte ich eine Winterpneus wechseln lassen. Vorher gab es ja auch keinen Anlass den ich bin ja nicht rumgefahren.
Auch ein Arztbesuch – nicht Corona bezogen – stand heute an.
Heute? Das hätte ich unter normalen Umständen nicht gekonnt. Wäre alles normal verlaufen, so wäre ich heute Vormittag nach Schottland abgeflogen, um mit Freunden meine jährlichen Destilleriebesuche vorzunehmen…

Donnerstag, 11. Juni 2020
Mir kommt die Idee mit dieser Dokumentation und ich beginne damit.
Mehr als drei Tage bin ich damit beschäftigt, Daten und Fakten zusammenzutragen und mir zu überlegen, was ich wann getan habe.
Mein Doppelstern-Programm ist inzwischen (fast) fertig, und kann warten.

Mittwoch, 17. Juni 2020
Die heutigen Zahlen für die Schweiz: 31'183 wurden angesteckt, 28'900 sind genesen und 1'678 sind gestorben.
Weltweit stieg die Zahl der Infizierten auf über 8 Millionen und die Zahl der Toten auf rund 450'000.
Aktuell liegt die Zahl der Toten durch Corona bei 1'678. Es werden wieder vermehrt Ansteckungen (37) gemeldet.
In Deutschland bricht das Virus in der grössten Fleischverarbeitungsfabrik aus. 657 Mitarbeiter wurden positiv getestet. Der Betrieb wird geschlossen und über 7'000 Mitarbeiter müssen in Quarantäne.

Die vermehrten Ansteckungen verwundern mich nicht: die Leute glauben dank der Lockerungen, dass das Virus nicht mehr aktiv sei. Sie halten sich nicht mehr an die Abstandsregeln. Das beweist mir jeweils meine Einkaufstour, aber auch die ständigen Demos.

Donnerstag, 18. Juni 2020
Das Wetter ist ideal für einen Museumsbesuch, schön und warm. Da ich von Bank einen Museumspass besitze, besuche ich damit wieder einmal das Sauriermuseum in Aathal.
Ich nehme eine Schutzmaske mit, die ich mir im gegebenen Fall anziehen könnte. Anfangs bin ich fast allein, aber kurz vor 14 Uhr verlasse ich das Museum fluchtartig, da ich erstens das Kindergeschrei nicht vertrage und zweitens die Kinder herumrennen und dabei mehrmals in mich hinein.
Ich kann ja ein andermal wieder gehen und mir den Rest anschauen.

Freitag, 19. Juni 2020
Meine Fische und meine Bonsai-Garnelen brauchen zwar kaum etwas. Ein wenig Futter, bei dem ein Döschen monatelang reicht, aber für die Wasserqualität sollte mal wieder ein neuer Filter für die Fische, und eine neue Filterkartusche für die Garnelen eingesetzt werden. Daher fahre ich heute zum Aquaristik Shop meines Vertrauens und besorge mir dies und ein paar andere Kleinigkeiten.
Ich muss da fast eine Stunde draussen warten, weil bereits zwei Kunden bedient werden und dies für diesen Laden das Maximum ist.

Medienkonferenz: bis 1000 Personen, 1.5 Meter, besondere Lage aufgehoben, Demos erlaubt aber Maskenpflicht.
Wieder so ein Blödsinn: Wenn die Leute an der Demo keine Masken tragen, was dann? Die Polizei kann dann wiederum sagen, sei wäre unverhältnismässig gewesen einzugreifen.

Dienstag, 23.Juni 2020
In den Nachrichten werden täglich die neuesten Zahlen über Neuansteckungen gemeldet. Heute sind es 30.
Die steigende Zahl der Neuansteckungen wundert mich nicht, sind doch in den letzten Tagen ständig Bilder mit Menschenmengen zu sehen, die sich nicht an die Regeln des Bundesrates halten.

Mittwoch, 24.Juni 2020
Es wird heute heiss und so entschliesse ich mich, der Hitze im Mittelland zu entfliehen. Ich fahre mit dem Auto nach Unterwasser und von dort erst mit der Standseilbahn, dann mit der Schwebebahn auf den «Chäserrugg». In beiden Bahnen legen sie Wert auf den Abstand und fahren spätestens dann ab, wenn genügend Leute in der Bahn sind, um den Minimalabstand noch einzuhalten.
Es ist angenehm auf 2300m über Meer und ich nehme den Weg zum «Hinterrugg» auf mich, wobei ich sogar noch über ein Schneefeld gehen muss.
Eine gute Stunde später bin ich wieder zurück und ich verpflege mich im Restaurant. Als ich aus demselben wieder rauskomme, hat sich das Wetter schon sehr verändert. Wie von Meteo Schweiz angekündigt, haben sich über den Bergen Quellwolken gebildet und so ist der Gipfel mehrheitlich in Nebel gehüllt. Was hält mich denn noch hier oben? Ich fahre also wieder nach unten und im klimatisierten Auto gemütlich nach Hause, wo ich wenigstens in eine relativ kühle Wohnung kann.

Die Zahl der Neuansteckungen liegt heute bei 57. Nochmals ein gutes Stück mehr als gestern.
Nachdem es bis vor Kurzem jeweils nur einstellige Werte waren, wird es jetzt wieder zweistellige Zahlen. Eine Folge der Lockerungen? Wenn ich mir auf meinem Ausflug die Leute angeschaut habe, dann kam es mir bei vielen so vor, als ob es wie früher wäre.

Donnerstag, 25.Juni 2020
Bei uns gibt es 45 neu Infizierte. Ich lade mir das jetzt erhältliche Covid19-App des Bundesrates auf mein Handy.
Die USA meldet sogar über 7'000 Neuansteckungen an einem Tag, allein in Kalifornien.
Na ja. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten… Schliesslich sind gemäss Trump ja auch die Europäer an allem schuld.

Freitag, 26.Juni 2020
Ich beginne mein Ausgabenprogramm, welches ich seit Jahren zwecks Ausgabenkontrolle in Excel benutze, umzuschreiben. Ich möchte beispielsweise gewisse Posten löschen, was aber in diversen Makros zu Änderungen führt.

Heute 60 neu Angesteckte. Offensichtlich viele aus dem Ausland kommende Reisende. Schliesslich von denen wieder überdurchschnittlich viele aus der Region Serbien.
Ich frage mich, warum man bei uns (und auch in anderen Ländern) nicht auf die gleiche Strategie setzt wie Grossbritannien: Einreisen ja, aber mit zwei Wochen Quarantäne. Genau diese Fälle – und die daraus resultierenden Ansteckungen – könnte man vermeiden. Es ist ja bekannt, dass diese Volksgruppe eher näher zusammenwohnt.

Samstag, 27.Juni 2020
Heute wäre ich aus meinen Schottland-Ferien zurückgekehrt, wenn das Virus nicht gewesen wäre.
Ich fahre mit dem ÖV nach Basel. Es ist das erste Mal seit Beginn der Pandemie. Dabei achte ich darauf, dass ich alleine im Abteil sitzen kann. Das ist problemlos möglich, da am Samstagmorgen nicht so viele Leute unterwegs sind.
In Basel treffe ich eine Bekannte. Wir gehen erst in den Zoo, wo gut darauf geachtet wird, dass nicht zu viele Leute in die Häuser gehen.
Beim Abendessen in einem Gartenrestaurant wird uns ein Zettel und ein Kugelschreiber hingelegt mit der Bitte, unsere Kontaktdaten anzugeben. Selbstverständlich machen wir das.
Später gehen wir dann an den Rhein. Es ist schön und heiss. Das Rheinufer ist voll von – vor allem jungen – Leuten. Sicherheitsabstand wird nur teilweise eingehalten. Wir können dies jedoch gut einhalten.
Um 22 Uhr fahre ich wieder nach Hause. Auch jetzt ist es möglich, alleine im Abteil zu sitzen. Lediglich von Zürich nach Winterthur stehe ich aus Sicherheitsgründen.

Sonntag, 28.Juni 2020
Am Abend sehe ich in der Tagesschau die Bilder von Partys an denen gefeiert wird, als ob nichts wäre.
Da kann ich nur noch den Kopf schütteln!

Montag, 29.Juni 2020
Neue Rekordzahl von Neuansteckungen: 161. Wieso wunder mich das nicht?
Ausserdem zeigen sie einen 72-jährigen, der sich diskriminiert fühlt. Der Grund: er gehört zu einer Risikogruppe und durfte nicht raus, jüngere aber schon.
So spontan frage ich mich, ob er wohl keine grösseren Probleme hat…

Jemand sagt im TV, dass man die Jungen verstehen müsse, die am Wochenende Party gemacht haben, sie wären ja auch lange «eingesperrt» gewesen.
Ich sehe das anders: die Risikogruppe 65+ war doch eingesperrt und die Jungen durften raus, aber halt nicht in den Ausgang.
Ich finde, dass sich ein grosser Teil der Jungen viel zu unbekümmert gibt. So nach dem Motto, mich betrifft es ja nur wenig.
Eine Einstellung, die leider der heutigen Zeit entspricht.

Mittwoch, 01.Juli 2020
Wieder 128 neu gemeldete Ansteckungen an einem Tag in der Schweiz.
Der Bundesrat beschliesst die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr. Ich finde das vernünftig.

Die vielen Neuansteckungen wundern mich nicht, nachdem was ich in den vergangenen Tagen gesehen habe. Scheinbar haben die Leute seit der erneuten Lockerung endgültig das Gefühl, dass das Virus nicht mehr existiert. Da denke ich mir, dass sich der Bundesrat von den Unternehmern hat drängen lassen.

Donnerstag, 02.Juli 2020
Nachdem es am Wochenende in mehreren Nachtclubs zu vielen Ansteckungen gekommen ist (ein neues Wort für meine Schwester: «Superspreading Events»), wird endlich reagiert. Der Kanton Zürich beschliesst, dass die Besucher jetzt die ID vorweisen müssen und die Handynummer angeben (diese sollte auch verifiziert werden).
Ein Clubbesitzer sagt nach diesen Vorfällen in einem Interview, er hätte lieber noch ein wenig gewartet, um den Club wieder zu eröffnen???

Vorher haben doch immer alle gejammert, dass es zu langsam gehe… Jetzt findet nicht nur dieser eine Ladenbesitzer, dass es eher zu schnell gegangen sei. Was denn jetzt?

Freitag, 03.Juli 2020
Die Fallzahlen an Neuansteckungen bleiben hoch: gestern 124, heute 85.
Heute habe ich seit langem wieder einen Termin bei meiner Fusspflegerin. Sie hatte nach der wieder erlaubten Eröffnung natürlich so viele Frauen, die unbedingt ihre Nägel gemacht haben wollten, dass ich mich bewusst noch nicht gemeldet hatte.
Am Nachmittag ist Medienkonferenz. Der Bundesrat hat beschlossen, einige Länder auf eine Liste zu setzen, aus denen Einreisende zwei Wochen in Quarantäne müssen.
Nicht nur bei mir kommt sofort die Frage auf: «Und wie wird das kontrolliert?». Auch ein Journalist stellt diese Frage. Die Antwort ist, dass man sporadisch telefonisch kontrolliere, ob jemand zu Hause sei. Einmal mehr ein Gesetz aufgestellt wird, das man nicht kontrollieren kann!
Nachdem ich bereits Aussagen gehört habe wie: «Ist mir egal. Ich einfach komme mit Auto. Dann ich aus Österreich und muss nicht Quarantäne machen.»

Samstag, 04.Juli 2020
Die Anpassung meines Ausgabenprogramms hat sich wieder einmal als die Büchse der Pandora erwiesen. Es gibt weit mehr zu tun, als angenommen. Aber ich bin bald einmal durch damit.

Sonntag, 05.Juli 2020
Die Fallzahlen hierzulande sind wieder etwas zurückgegangen.
Endlich wieder Formel1 im Fernsehen! Jetzt soll es Schlag auf Schlag gehen. Habe das schon ein wenig vermisst. Aber deshalb Terror machen? Es gibt Wichtigeres.

Montag, 06.Juli 2020
Ab heute gilt die Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln.
Heute arbeite ich weiter an meiner Homepage, damit ich dieses Tagebuch dort veröffentlichen kann.

Dienstag, 07.Juli 2020
Heute Morgen wird dieses Tagebuch veröffentlicht. Ich werde versuchen, es möglichst aktuell zu halten. Wie lange ich dies fortführen möchte, hängt ein wenig von den Fallzahlen in der Schweiz ab.

In den Abendnachrichten erfahre ich, dass genau das erneut eingetreten ist, was ich am 3. Juli vorausgesehen hatte: Im Kanton Solothurn ging eine Frau vor ein paar Tagen in den Ausgang, die eigentlich in Quarantäne ist. Eine weitere Person (ein Wirt) ging gestern in seine Bar, obschon er ebenfalls in Quarantäne sein müsste.
Das sind zwei, die dumm genug waren, sich erwischen zu lassen. Die Dunkelziffer dürfte aber sehr viel höher sein.

Mittwoch, 08.Juli 2020
Heute haben die Kantone beider Basel, Aargau und Solothurn die Initiative ergriffen und neue Regeln für Bars und Clubs aufgestellt. Es dürfen nur noch maximal 100 statt 300 Personen eingelassen werden.
Ja, klar. Genau da treffen sich die Leute, denen alles egal ist...
Es zeigt sich offenbar auch, dass die Quarantäne beim Einreisen aus Risikostaaten so gut wie nicht eingehalten wird (siehe 3. Juli 2020). Nicht mal die Leute die am Flughafen aus Ländern wie beispielsweise dem Kosovo ankommen, gehen in Quarantäne!
Ein Sprecher des BAG gibt sogar im Fernehen zu, dass sie dies auch nicht überprüfen können...
Also einmal mehr: wozu denn das Gesetz? Wieso haben wir die Grenzen überhaupt offen? Nur damit die armen Verliebten sich treffen können? Nur damit die Schweizer in Deutschland einkaufen können?

Donnerstag, 09.Juli 2020
An einer Medienkonferenz wird die Zahl von Neuansteckungen von 88 genannt.
Das BAG setzt bei den Quarantäneverordnungen auf Eigenverantwortung. Es hat sich jedoch gezeigt, dass weder an den Grenzen noch auf den Flughäfen wirklich Kontrollen gemacht werden, noch gemacht werden können. Für mich heisst das: «Quarantäne − macht was ihr wollt...»
Warum weist man nicht wenigsten diejenigen Personen an der Grenze (Flughafen) ab, die einen Pass aus Ländern auf der Länderliste haben?

Montag, 13.Juli 2020
Die Zahlen der Neuansteckungen bleiben weiterhin an oder über der Hundertergrenze.
Die Frau aus Solothurn, die trotz Quarantäneverordnung eine Party besucht hat, geht in die Offensive. Sie sagt, dass ihr jemand beim kantonalen Contact Tracing Center gesagt habe, dass sie nicht mehr ansteckend sei.
Vermutlich fürchtet sie sich vor Schadenersatzforderungen der 280 betroffenen Personen und versucht so, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Donnerstag, 16.Juli 2020
Gestern gab es 136 Neuansteckungen und heute wurden 142 gemeldet.
Offensichtlich kümmert sich kaum jemand darum, dass er in Quarantäne gehen soll, wenn er aus bestimmten Ländern in die Schweiz einreist.
Meiner Meinung nach habe wir die Grenzen viel zu früh geöffnet. Zumindest für Personen, die nicht arbeitsbedingt reisen müssen.

Samstag, 18.Juli 2020
Am Abend fahre ich in der Nähe auf eine Anhöhe, um den Kometen NEOWISE zu fotografieren. Ich bin zwar mitten im Niemandsland, aber trotzdem sind bis um Mitternacht 5 Autos mit diversen Leuten am selben Ort.
Der Frust kommt, nachdem ich zu Hause die Fotos sichte: es sind alle leicht verschwommen. Offensichtlich bin ich versehentlich an den Schärfen-Einstellring gekommen, nachdem ich die Schärfe eingestellt hatte. Ärgerlich!

Sonntag, 19.Juli 2020
Ich fahre heute Abend nochmals los, um den Kometen zu fotografieren. Obschon das Wetter nicht optimal ist, gelingen mir ein paar schöne Aufnahmen.

Donnerstag, 23.Juli 2020
Heute fahre ich mit dem ÖV nach Zürich. Ich treffe mich dort mit zwei ehemaligen Arbeitskollegen zum Nachtessen. Da ich vorhabe ein oder zwei Biere zu trinken, habe ich mich für den ÖV entschieden. Da ich seit Dienstag jedoch unter Antibiotika stehe, fällt das Bier trotzdem dahin.
Meine Feststellungen während der Fahrt sind, dass sich erstens die Jugendlichen auf Bahnhöfen und sonstwo einen Deut um die Abstandsregeln halten. Ausserdem sehe ich vier Personen (davon 3 Ausländer), die sich nicht an die Maskentragpflicht halten.

Montag, 27.Juli 2020
Erneut versuche ich ein paar Bilder des Kometen zu machen. Das Wetter wäre optimal, aber der Mond ist bereits Halb und stört. Trotzdem bleibe ich bis 2:30.
Als ich um 3:15 ins Bett schlüpfe denke ich so bei mir, dass ich vor einem Jahr noch um diese Zeit aufgestanden wäre um zu Arbeiten...

Dienstag, 28.Juli 2020
Es gib wieder 132 Neuansteckungen.

Mittwoch, 29.Juli 2020
Die Neuansteckungen gehen weiter nach oben. Heute sind es 198.

Donnerstag, 30.Juli 2020
Na also, wir haben wieder die gleiche Neuansteckungsrate wie Ende April! 220 Neuansteckungen an einem Tag. Neuer Rekord!
Da soll noch einer sagen, es habe nichts mit der Öffnung von Bars, Discos und Partylokalen zu tun. Im Kanton Zürich werden rund 24% der Leute dort angesteckt! Genf macht es richtig und schliesst diese Lokale wieder. 'Wer nicht hören will muss fühlen', heisst ein Sprichwort. Wenn die Leute also nicht vernünftig sind, dann müssen sie die Konsequenzen tragen.
Ich würde auch die Grenzen wieder schliessen und nur Grenzgängern nach Kontrolle die Einreise gestatten. Auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache: Die Jungen finden, man brauche ja noch ein wenig 'Fun' und Freiheit. Klar, dass sie so denken, gab es doch von 0-49 Jahre lediglich 11 Coronatote in der Schweiz. "Mir machts ja nüt".

Freitag, 31.Juli 2020
220 Neue Ansteckungen!
Einer meiner Enkel hat heute Geburtstag. Natürlich mit einem grossen Fest im Wald. Da sind nur Kinder eingeladen...
Ich habe Fieber (37.8 ist für mich schon viel) und mag kaum was tun. Ausserdem habe ich heute Morgen - als ich den Arzt anrufen wollte - bemerkt, dass mein Festnetz tot ist. Schnell auf die Seite der UPC und nachgeschaut, ob da was steht...nein, alle Dienste an meiner Adresse funktionierten normal! Was nützt mir eine solche Seite, wenn da einfach immer steht, dass alles OK ist?
Auf Facebook - sonst sind die ja nicht zu erreichen, ausser man wartet eine Stunde am Telefon - habe ich dann eine entsprechende Nachricht platziert. Das war um 08:02 war das. Zwar habe ich mal eine Antwort gekriegt nach 2 Stunden, dass sie meine Kundennummer usw. wollten. Die habe ich ihnen zurückgeschrieben, aber es ist bisher nichts passiert. Jetzt ist es 18:30 und mein Festnetz geht immer noch nicht!

Dienstag, 11.August 2020
Die Neuansteckungen bleiben weiterhin auf hohem Niveau. Nach und nach öffnen Institutionen wie Museen, Ausstellungen und auch die Migros-Klubschule. Mein Englischkurs beginnt am 18. August wieder. Ich habe aber festgestellt, dass wir in einem anderen Zimmer sind. Vermutlich ein grösseres, wo die Abstände eingehalten werden können.
Weltweit zeigt sich ein immer düstereres Bild. Tausende Leute werden täglich neu angesteckt. Nur in Amerika ist alles im Griff, behauptet Trump.

Donnerstag, 13.August 2020
Am Mittwoch waren fast 300 neue Fälle verzeichnet. Ein neuer Rekord seit Frühling.
Obschon die Zahlen der Neuansteckungen weiter steigen, hat der Bundesrat gestern dem Druck weiter nachgegeben und die Begrenzung auf 1000 Teilnehmer an einem Anlass per 1. Oktober aufgehoben. Somit werden ab dann wieder tausende Fans an Eishockey- oder Fussballspielen dicht an dicht stehen. Da ist ein neuer Lockdown schon fast vorprogrammiert. Ich hoffe ich habe unrecht!

Samstag, 22.August 2020
In den letzten Tagen lag die Neuansteckungsrate praktisch permanent über 300 Personen! In Solothurn müssen mehrere hundert Personen in Quarantäne, nachdem sich in zwei Nachtclubs Infizierte aufgehalten hatten.
In der ganzen Schweiz werden nach und nach Nachtclubs wieder geschlossen... Wie kommt das, wenn die 1000er Grenze am 1. Oktober fällt? Ich sehe schwarz!

Donnerstag, 27.August 2020
Ab heute müssen auch wir im Kanton Zürich nicht nur im ÖV, sondern auch in Läden und anderen öffentlichen Räumen eine Maske tragen - die ja gemäss diversen BAG-Aussagen vom Frühling gar nichts nützen!
Dies, nachdem diese Vorschrift bereits in anderen Kantonen wie in der Westschweiz und in Basel gilt. Kunststück: wir hatten in den vergangenen Tagen permanent über 300 Neuansteckungen.
Auch weltweit steigen die Zahlen der Neuinfizierten stetig!

Mittwoch, 16.September 2020
Es ist einige Zeit vergangen, in welcher die Fallzahlen in der Schweiz permanent stiegen. Wir sind inzwischen in den 500tern angelangt! Auch sind 7 neue Todesfälle bekanntgegeben worden.
Dies bewegt die Kantone dazu, teils aufgehobene Beschränkungen wieder inkraft zu setzen. So gilt ab morgen im Kanton Waadt in allen öffentlich zugänglichen Innenräumen Maskenpflicht – etwa in Theatern, Konzertsälen, Museen, Kinos, Bibliotheken oder Gemeindeschaltern. Selbst im Restaurant gilt – ausser am Tisch – Maskenpflicht! Discotheken und Nachtclubs werden geschlossen. Private Feiern ab 50 Personen sind maskenpflichtig und ab 100 Peronen verboten.
Und wieder sage ich: es ist alles noch nicht vorbei!

Der Bundesrat pflegt seit dem 3.Juli eine Liste von Staaten, bei welchen Einreisende in die Schweiz in Quarantäne müssen. Der Grenzwert steht bei 60 Neuansteckungen pro 100'000 Personen in den letzten 2 Wochen.
Gesten wurde beispielsweise die Jungraueninseln (63 Neuinfektionen) auf diese Liste aufgenommen. Dazu habe ich folgende Fragen:
- Warum steht Frankreich (163!), oder Österreich (79) nicht auf dieser Liste?
- Warum ist Holland (74) nicht auf dieser Liste?
Meine Antworten: Frankreich und Österreich sind Nachbarstaaten, die viel Grenzgänger haben die entweder in der Schweiz oder im Nachbarland arbeiten. Die könnten dann nicht mehr einfach so hin und her zur Arbeit. Das darf man doch als Schweiz nicht machen!
Zu Holland: Es gehen viele Langstreckenflüge über Amsterdam, und natürlich auch andersrum. Da würde man ja den Flugverkehr schwächen.Das darf man doch als Schweiz nicht machen!
Ich frage mich immer wieder: Wollen wir lieb sein oder das Virus besiegen?